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17.07.2015 21:16 -
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    -    Blog.bg

( "NEW STATESMAN", . " " 15.07.2015)
Sie haben uns in die Falle gelockt Jetzt auch auf Deutsch: Yanis Varoufakis im Gesprch mit New Statesman ber fnf Monate als griechischer Finanzminister, den Druck der Glubiger und Wolfgang Schuble als Orchesterleiter
Harry Lamberts: Und, wie fhlen Sie sich?
Yanis Varoufakis: Ich fhle mich berragend – Ich muss nicht lnger nach diesem hektischen Terminplan leben, der war absolut unmenschlich, einfach unglaublich. Ich hatte fnf Monate lang zwei Stunden Schlaf pro Nacht. Ich bin auerdem erleichtert, dass ich nicht mehr diesen unfassbaren Druck aushalten muss, von einer Position aus zu verhandeln, die ich schwierig zu verteidigen finde, selbst wenn es mir gelnge, die andere Seite zum Nachgeben zu bringen. Wenn Sie verstehen, was ich meine. image

Wie war es denn? Hat Ihnen irgendetwas daran gefallen?
Na klar, eine Menge. Aber die Informationen, die man aus dem inneren Kreis erhlt... deine schlimmsten Befrchtungen werden besttigt... Die Mchtigen sprechen direkt mit dir, und dann ist es so wie man befrchtet – sogar schlimmer als man es sich vorgestellt hat! Also, es hat Spa gemacht, einen Sitz in der ersten Reihe zu haben.

Worauf spielen Sie an?
Das vollstndige Fehlen demokratischer Skrupel unter den angeblichen Verteidigern der europischen Demokratie. Das ziemlich deutliche Verstndnis auf der anderen Seite, dass wir analytisch bereinstimmen – aber das selbstverstndlich niemals etwas herauskommen wird. [Und dann] schauen dir sehr mchtige Personen in die Augen und sagen: Sie haben recht mit dem, was Sie sagen, aber wir werden Sie trotzdem zerquetschen.

Sie haben gesagt, Glubiger waren gegen Sie weil ich in der Eurogruppe versuche, konomisch zu argumentieren, was dort niemand sonst tut. Was ist passiert als sie das taten?
Es ist nicht so, dass es nicht gut aufgenommen worden wre – es ist eher so, dass es eine vollstndige Verweigerung gab, sich auf konomische Argumentationen einzulassen. Unverblmt. Sie stellen ein Argument vor, an dem Sie wirklich analytisch gearbeitet haben – um sicher zu gehen, dass es logisch kohrent ist – und dann schauen Sie lediglich in leere Gesichter. Sie htten genau so gut die schwedische Nationalhymne singen knnen – Sie htten dieselbe Antwort bekommen. Und fr jemanden, der akademische Debatten gewhnt ist, ist das ist erschreckend. Da debattiert die andere Seite immer mit. Aber hier gab es gar keine Beteiligung. Man hat nicht einmal Genervtheit gesprt, es war so, als ob man einfach nichts gesagt htte.

Als Sie zum ersten Mal in der Eurogruppe dabei waren, Anfang Februar, da kann das doch keine einheitliche Position gewesen sein?
Naja, da gab es Leute, die auf einer persnlichen Ebene aufgeschlossen waren – also hinter verschlossen Tren, auf einer informellen Basis, insbesondere vom Internationalen Whrungsfonds IWF.

Auf hchster Ebene?
Auf hchster Ebene, auf hchster Ebene. Aber dann, in der Eurogruppe, ein paar nette Worte und das war’s, zurck hinter die Barrikaden der offiziellen Version. Aber Wolfgang Schuble war die ganze Zeit konsistent. Seine Sicht lautete: Ich diskutiere das Programm nicht – es wurde von der Vorgngerregierung akzeptiert und wir knnen unmglich erlauben, dass eine Wahl etwas verndert. Schlielich haben wir andauernd Wahlen, es gibt 19 von uns, wenn sich jedes Mal nach einer Wahl etwas verndern wrde, wrden die Vertrge zwischen uns bedeutungslos werden. An diesem Punkt musste ich dazwischengehen und sagen: Okay, dann sollten wir vielleicht einfach keine Wahlen in verschuldeten Lndern mehr abhalten. Und es gab keine Antwort. Die einzige Interpretation, die ich dafr liefern kann, ist: Ja, das wre eine gute Idee, aber es wre schwierig sie umzusetzen. Unterschreiben Sie also entweder auf der gepunkteten Linie oder Sie sind raus.

Und Angela Merkel?
Sie mssen verstehen, dass ich nie etwas mit Merkel zu tun hatte, Finanzminister sprechen mit Finanzministern, Premierminister sprechen mit Kanzlerinnen. Meinem Verstndnis nach war sie wirklich anders. Sie versuchte, den Premierminister (Alexis Tsipras) zu beruhigen – Sie sagte: Wir finden eine Lsung, machen Sie sich keine Sorgen, ich werde nicht zulassen, dass etwas Schlimmes passiert. Machen Sie einfach Ihre Hausaufgaben und arbeiten Sie mit den Institutionen, mit der Troika, zusammen; das hier darf keine Sackgasse sein. Das ist nicht das, was ich von meinen Gegenber gehrt habe – weder vom Vorsitzenden der Eurogruppe (Jeroen Dijsselbloem) noch von Dr. Schuble, das war eindeutig. An einer bestimmten Stelle wurde ich sehr geschlossen damit konfrontiert: Das ist ein Pferd, entweder Sie steigen auf oder es ist tot.

Okay, wann war das?
Gleich zu Anfang, ganz am Anfang. (Das erste Treffen fand Anfang Februar statt.)

Also: Warum sind Sie bis zum Sommer da geblieben?
Naja, es gab keine Alternative dazu. Unsere Regierung wurde mit einem Mandat gewhlt, Verhandlungen zu fhren. Unser wichtigstes Mandat war, Zeit und Raum fr Verhandlungen zu schaffen und zu einer anderen bereinkunft zu kommen. Das war unser Mandat – unsere Aufgabe war es zu verhandeln, es ging nicht darum, sich mit den Glubigern zu berwerfen. Die Verhandlungen dauerten ewig, weil die andere Seite sich weigerte, zu verhandeln. Sie bestanden auf einer umfassenden Lsung, was bedeutete, dass sie ber alles reden wollten. Meine Interpretation ist, dass wenn du sagst, dass du ber alles reden mchtest, du eigentlich nichts besprechen willst. Aber wir haben mitgemacht. Und, sehen Sie, es wurden absolut gar keine Vorschlge von denen vorgelegt. Was sie taten ... lassen Sie mich ein Beispiel dafr geben. Sie sagen, wir brauchen alle finanziellen Daten, die fr Griechenland wichtig sind, wir brauchen alle Daten zu Betrieben in Staatseigentum. Also haben wir eine Menge Zeit damit verbracht, ihnen diese Daten zur Verfgung zu stellen und Fragebgen zu beantworten und diese Daten in unzhligen Treffen vorzustellen.

Das war die erste Phase. Die zweite Phase bedeutete, dass sie uns fragten, was wir in puncto Mehrwertsteuer unternehmen wollten. Dann lehnten sie unseren Vorschlag ab, aber stellten selbst keinen eigenen Vorschlag in den Raum. Und dann, bevor wir die Chance einer Einigung ber die Mehrwertsteuer mit ihnen finden konnten, wechselten sie zum nchsten Thema, etwa Privatisierung. Sie fragten uns, was wir bezglich der Privatisierung anstellen wollten, wir erstellten einen Plan, sie lehnten ihn ab. Dann gingen sie zum nchsten Thema, wie Renten, ber, dann zu Absatzmrkten, von da zu Arbeitsmrkten und Tarifpartnerschaft, von Arbeitsmrkten zu allem mglichen anderen. Es war also, als ob eine Katze ihren eigenen Schwanz jagt.

Wir fhlten, die Regierung fhlte, dass wir diesen Prozess nicht abbrechen drfen. Sehen Sie, mein Vorschlag zu Beginn war dieser: Das ist ein Land, das vor einer langen Zeit auf Grund gelaufen ist. ...Natrlich mssen wir dieses Land reformieren – wir stimmen hier berein. Weil Zeit so wichtig ist und die Zentralbank uns [die griechischen Banken] whrend der Verhandlungen das Geld abdrehte, um uns unter einen Druck zu setzen, dem wir nicht standhalten, war mein Vorschlag die ganze Zeit ber ein sehr einfacher: Lasst uns Einigkeit ber drei oder vier wichtige Reformen erzielen, etwa das Steuersystem, die Mehrwertsteuer, und sie umgehend umsetzen. Und schon htte man die Liquiditts-Restriktionen der EZB abschwchen knnen. Ihr wollt eine umfassende Lsung – lasst uns weiter verhandeln – und in der Zwischenzeit lasst uns diese Reformen im Parlament als bereinkunft zwischen uns und euch vorstellen.

Aber sie sagten: Nein, nein, nein, das muss eine vollstndige berprfung (der Manahmen) geben. Nichts wird umgesetzt, sollten sie es wagen, irgendwelche Gesetze einzubringen. Dies wird als einseitiges Handeln verstanden, das den Einigungsprozess behindert. Und dann, ein paar Monate spter, steckten sie natrlich zu den Medien durch, dass wir das Land nicht reformiert htten und Zeit vergeudeten! Und so... [kichert] wurden wir auf eine gewisse, wichtige Weise, in die Falle gelockt.

Zum Zeitpunkt, an dem die Liquiditt fast vollstndig verschwunden war, und wir in Zahlungsrckstand oder Quasi-Zahlungsrckstand gegenber dem IWF gerieten, stellten sie ihre Vorschlge vor, die absolut unmglich waren... vollstndig undurchfhrbar und schdlich. Sie verzgerten die Reformen also und machten dann die Sorte von Vorschlag, die man seinem Gegenber macht, wenn man keine Einigung erzielen will.

Haben Sie versucht, mit Regierungen anderer verschuldeter Staaten zusammenzuarbeiten?
Die Antwort ist nein. Und der Grund dafr ist sehr einfach: Von Anfang an haben die betreffenden Lnder berdeutlich klargestellt, dass sie die energischsten Feinde unserer Regierung sind, von Anfang an. Der Grund hierfr ist, dass ihr grter Albtraum unser Erfolg ist: Htten wir es geschafft, einen besseren Deal fr Griechenland auszuhandeln, wrde sie das politisch natrlich vernichten, sie mssten ihrer eigenen Bevlkerung erklren, warum sie nicht so verhandelt haben, wie wir es taten.

Und gemeinsam mit Parteien, die mit Ihnen sympathisieren, wie etwa die spanische Podemos?
Nicht wirklich. Ich meine, wir hatten immer ein gutes Verhltnis zu ihnen, aber es gab nichts, was sie htten tun knnen – ihre Stimme wre niemals in die Eurogruppe gedrungen. In der Tat war es so, dass je mehr sie sich fr uns aussprachen, was sie taten, umso feindseliger wurde der Finanzminister ihres Land [Luis de Guindos] uns gegenber.

Und der britische Finanzminister George Osborne? Wie waren ihre Verhandlungen mit ihm?
Oh, sehr gut, exzellent. Aber er ist nicht mit dabei, er ist nicht in der Eurogruppe. Als ich mit ihm zu unterschiedlichen Anlssen sprach, merkte ich, dass er sehr verstndnisvoll war. Wenn man den Telegraph aufschlgt, waren ja tatschlich die Tories die grten Untersttzer unserer Sache! Wegen ihres Euroskeptizismus; da gibt es eine an dem Philsophen Edmund Burke orientierte Sicht der Souvernitt des Parlaments – in unserem Fall war eindeutig, dass das Parlament wie Dreck behandelt wurde.

Was ist generell das grte Problem in der Funktionsweise der Eurogruppe?
Es gab einen Moment, an dem der Prsident der Eurogruppe sich dazu entschied, sich gegen uns zu positionieren, uns effektiv ausschloss und in der ffentlichkeit erklrte, dass Griechenland sich im Grunde auf dem Weg raus aus der Eurozone befindet. Es gibt die Tradition, dass die Erklrungen der Eurogruppe einstimmig sein mssen und ihr Prsident kann nicht einfach ein Treffen einberufen und einen Mitgliedsstaat rausschmeien. Und er sagte: Oh, ich bin mir sicher, dass ich das tun kann. Also fragte ich nach einer juristischen Einschtzung. Das hat ein bisschen fr Durcheinander gesorgt. Fr fnf oder zehn Minuten wurde das Treffen unterbrochen, Mitarbeiter, Offizielle redeten miteinander, telefonierten. Schlielich richtete ein Offizieller, ein juristischer Experte das Wort an mich und sagte die folgenden Worte: Nun, die Eurogruppe gibt es juristisch gesehen gar nicht, es gibt keinen Vertrag, der die Einberufung dieser Gruppe regelt.

Was wir also haben, ist eine nicht-existente Gruppe, die die grte Macht besitzt, die Leben der Europer vorzubestimmen. Sie ist niemandem verpflichtet, da sie juristisch nicht existiert; keine Protokolle aufbewahrt und vertraulich agiert. Also wird kein Brger jemals erfahren, was darin diskutiert wurde. ... Das sind fast Entscheidungen ber Leben und Tod und kein Mitglied muss sich vor irgendjemand rechtfertigen.

Und diese Gruppe wird von der deutschen Position dominiert?
Komplett und restlos. Aber nicht von Einstellungen – sondern vom deutschen Finanzminister. Es funktioniert alles wie in einem gut abgestimmten Orchester, in dem er der Dirigent ist. Alles passiert in Abstimmung miteinander. Es gibt Momente, in denen das Orchester verstimmt ist, aber er holt es zusammen und bringt es zurck auf Linie.

Gibt es keine andere Macht in der Eurogruppe, knnen die Franzosen nichts entgegensetzen?
Nur der franzsische Finanzminister hat Tne von sich gegeben, die sich von der deutschen Linie unterscheiden, und diese Tne waren sehr dezent. Man konnte spren, dass er eine sehr juristische Sprache benutzen musste, damit er nicht als Abweichler gilt. In der abschlieenden Analyse, wenn Doc Schuble antwortete und im Grunde die offizielle Linie vorgab, zog der franzsische Finanzminister immer zurck und akzeptierte das.

Lassen Sie uns ber Ihren theoretischen Hintergrund und Ihren Text ber Marx aus dem Jahr 2013 sprechen. Sie schrieben:

Ein griechischer, ein portugiesischer oder ein italienischer Austritt aus der Eurozone wrde schnell zu einem Zerfall des Europischen Kapitalismus fhren, es wrde eine ernste rezessionre berschussregion stlich des Rheins und nrdlich der Alpen entstehen, whrend der Rest Europas sich im Griff brutaler Stagflation befinden wrde. Wer wrden Sie glauben, profitiert von so einer Entwicklung? Eine progressive Linke, die Phnix gleich aus der Asche Europas ffentlicher Institution aufersteht? Oder die Goldene-Morgenrte-Nazis, die auserwhlten Neofaschisten, die Fremdenfeinde, die Ganoven? Ich habe berhaupt keinen Zweifel darber, wem von beiden es nach einem Zerfall der Eurozone besser gehen wrde.

Wrde ein Grexit der Goldenen Morgenrte also unvermeidlich helfen, denken Sie das noch immer?
Nun ja, sehen Sie, ich glaube nicht an die deterministischen Versionen von Geschichte. SYRIZA ist jetzt eine sehr dominante Kraft. Falls wir es hinbekommen sollten, gemeinsam aus diesem Schlamassel herauszukommen und einen Grexit ordentlich handhaben ... wre eine Alternative mglich. Aber ich bin mir nicht sicher, dass wir das hinbekommen, weil es erhebliche Expertise voraussetzt, den Zusammenbruch einer Whrungsunion zu steuern. Und ich bin mir nicht sicher, dass wir die hier in Griechenland ohne Hilfe von auen besitzen.

Sie mssen seit dem ersten Tag ber einen Grexit nachgedacht haben…
Ja, absolut.

...sind Vorbereitungen getroffen worden?
Die Antwort lautet Ja und Nein. Es gab eine kleine Gruppe, ein Kriegskabinett innerhalb des Ministeriums, ungefhr fnf Leute die folgendes gemacht haben: Wir haben das theoretisch, auf dem Papier ausgearbeitet, alles, das im Falle dessen gemacht werden msste [um sich auf den Fall des Grexit vorzubereiten]. Aber es ist die eine Sache, das mit vier oder fnf Leuten zu machen, es ist etwas ganz anderes, ein Land darauf vorzubereiten. Um das Land darauf vorzubereiten, msste eine Entscheidung der Regierungsspitze getroffen werden – und diese wurden nie getroffen.

Und in der letzten Woche? Haben Sie versprt, dass Sie sich auf diese Entscheidung zubewegen [einen Grexit vorzubereiten]?
Meine Sicht der Dinge war, dass wir aufpassen mssen, ihn nicht auszulsen. Ich wollte nicht, dass das zu einer sich selbst erfllenden Prophezeiung wird. Ich wollte nicht, dass Nietzsches bekanntes Diktum wahr wird, nach dem man, wenn man lang genug in den Abgrund starrt, der Abgrund beginnt zurckzustarren. Aber ich habe ebenfalls in dem Moment geglaubt, an dem die Eurogruppe die Banken geschlossen hat, dass wir diesen Prozess vorantreiben sollten.

Okay. So weit ich es erkennen kann, gab es zwei Optionen – einen unmittelbaren Grexit oder die Ausgabe von Schuldscheinen (IOUs) und die bernahme der Kontrolle ber die griechische Zentralbank [mglicherweise aber nicht zwingend einen Grexit vorwegnehmend]?
Sicher, sicher. Ich habe nie geglaubt, dass wir sofort zu einer eigenen Whrung bergehen sollten. Mein Standpunkt, den ich gegenber der Regierung vertreten habe, war, dass, falls sie versuchen sollten, unsere Banken zu schlieen, was ich als ein aggressives Manver von unglaublicher Wucht einschtzte, wir auch aggressiv antworten sollten, allerdings ohne den Point of no Return zu berschreiten.

Wir sollten unsere eigenen Schuldscheine ausgeben oder wenigstens verknden, dass wir unsere eigene, an den Euro gebundene Whrung einfhren; wir sollten einen Schuldenschnitt an den griechischen Anleihen vornehmen, die seit 2012 von der EZB gehalten werden oder ankndigen, dies zu tun; und wir sollten die Kontrolle der Griechischen Zentralbank bernehmen. Das war das Tryptichon, das waren die drei Dinge, mit denen ich glaubte, auf eine Bankenschlieung in Griechenland durch die EZB reagieren zu knnen.

Ich habe das Kabinett davor gewarnt, dass dies passieren wrde, einen Monat lang, dass sie die Bankenschlieung erzwingen, um uns eine demtigende Vereinbarung aufzudrngen. Als es passierte – und viele meiner Kollegen konnten nicht glauben, dass es passierte – war mein Vorschlag , energisch zu reagieren. Sagen wir mal, ich wurde berstimmt.

Und wie kurz davor war es, dass es doch passiert?
Lassen Sie es mich so sagen: Von sechs Leuten waren wir eine Minderheit von zwei. ... Dann erhielt ich die Anweisungen, die Banken in bereinstimmung mit der EZB und der griechischen Nationalbank zu schlieen. Ich war dagegen, aber ich tat es, weil ich ein Teamplayer bin, ich glaube an kollektive Verantwortung.

Und dann kam das Referendum und es gab uns einen unglaublichen Aufwind, einen der diese Art energischer Antwort auf die EZB gerechtfertigt htte. Aber noch in der Nacht hat die Regierung beschlossen, dass der Wille des Volkes, das schallende Nein, den energischen Plan nicht energetisieren sollte.

Stattdessen fhrte es zu massiven Zugestndnisse an die Gegenseite: Das Ratstreffen der politischen Fhrer, in dem unser Premierminister akzeptierte, dass was auch immer passiert, was auch immer die Gegenseite tut, wir nicht so reagieren werde, dass wir sie wirklich herausfordern. In der Sache bedeutet dies Rckzug. ... Man hrt auf zu verhandeln.

Sie knnen nicht mehr viel Hoffnung haben, dass der Deal besser wird als der in der letzten Woche – falls es nicht sogar schlimmer wird?
Wenn berhaupt wird es schlimmer werden. Ich hoffe und vertraue darauf, dass unsere Regierung auf einer Umschuldung beharrt, aber ich kann nicht erkennen, dass der deutsche Finanzminister jemals so etwas auf einem der nchsten Treffen der Eurogruppe unterschreibt. Falls doch, wre das ein Wunder.

Exakt – weil, so wie Sie es beschrieben haben, sie an diesem Punkt nicht mehr ber eine Verhandlungsmasse verfgen.
Das denke ich. Falls er [Schuble] seinen Marschbefehl nicht doch von der Kanzlerin erhlt. Da muss abgewartet werden, ob sie nicht dazwischen geht, um das zu tun.

Um noch mal zurckzutreten, knnten Sie uns vielleicht in einfachen Worten fr unsere Leser ihre Kritik an Thomas Pikettys Das Kapital im 21. Jahrhundert erklren?
Lassen Sie mich zuerst festhalten, dass mich das in Verlegenheit bringt, weil Piketty mich und meine Regierung enorm untersttzt hat und ich sein Buch in meiner Rezension wirklich schrecklich verrissen habe! Ich habe seine Haltung whrend der letzten Monate sehr geschtzt und ich werde ihm das sagen, wenn ich ihn im September treffe.

Aber meine Kritik an seinem Buch bleibt bestehen. Seine Gefhl ist richtig. Seine Abscheu gegenber Ungleichheit. Aber seine Analyse unterminiert, so wie ich das sehe, das Argument. Denn sein neoklassisches Modell des Kapitalismus lsst sehr wenig Raum fr den Fall, den er entwerfen mchte. Auer er setzt auf ein bestimmtes Set spezifischer Parameter, die seine eigene Sache untergraben. Mit anderen Worten: Wenn ich ein Gegner seiner These wre, das Ungleichheit im Kapitalismus eingebaut ist, knnte ich seine Studie durch einen Angriff auf seine Analyse auseinandernehmen.

Ich mchte nicht zu detailliert werden, weil es nicht das letzte Urteil sein wird...
Ja...

Aber es geht um seine Mae fr Wohlstand?
Ja, er benutzt eine Definition von Kapital, die es unmglich macht, Kapital zu verstehen – es ist also eine contradictio in adjectio. [Siehe auch: http://yanisvaroufakis.eu/2014/10/08/6006/—for Varoufakis’ critical review of Piketty’s Capital.]

Lassen Sie uns noch einmal ber die Krise sprechen. Ich verstehe noch sehr wenig von Ihrem Verhltnis zu Tsipras…
Ich kenne ihn seit Ende 2010, weil ich ein prominenter Kritiker der damaligen Regierung war, auch wenn ich ihr ein Mal nahe stand. Ich war eng mit der Papandreou-Familie verbunden – ich bin es in gewisser Weise immer noch – aber ich wurde prominent ... damals waren es groe Neuigkeiten, dass ein frherer Berater sagt: Wir tun so, als ob der Bankrott nicht geschehen ist, wir berspielen das durch neue nicht nachhaltige Kredite. Solche Sachen halt.

Ich habe damals ein paar Wellen verursacht und Tsipras war ein sehr junger Parteifhrer, der versuchte zu verstehen, was passiert und worauf die Krise zurckging und wir er sich in ihr verhalten sollte.

Gab es ein erstes Treffen, an das Sie sich erinnern knnen?
Oh ja. Das war Ende 2010, wir gingen in eine Cafeteria, wir waren zu dritt und meine Erinnerung ist, dass er damals noch nicht ganz sicher war, was seine Sicht auf das Thema Drachme vs. Euro und die Grnde der Krise angeht. Und ich hatte eine sehr, na, soll ich sagen: gefestigte Sicht auf das, was da passierte. Ein Dialog begann, der sich ber die Jahre erstreckte und in dem ich, so glaube ich, dabei half seine Sicht auf das, was geschehen msste, zu formen.

Wie fhlt es sich nun an, nach viereinhalb Jahren nicht mehr mit ihm zu arbeiten?
Ich empfinde das nicht so, ich empfinde, dass wir uns sehr nahe sind. Unsere Trennung war extrem freundschaftlich. Wir hatten niemals ein groes Problem zwischen uns, nie, nicht bis zum heutigen Tag. Und ich bin ebenfalls sehr eng mit Efklidis Tsakaltoso verbunden [dem neuen Finanzminister].

Ich nehme an, sie sprechen mit beiden noch in dieser Woche?
Ich habe in dieser Woche nicht mit dem Premierminister gesprochen, nicht in den letzten Tagen, aber ich spreche mit Efklidis. Ja, und ich empfinde Efklidis als mir sehr nahe und umgekehrt und ich beneide ihn nicht im Geringsten [kichert].

Wren Sie schockiert, wenn Tsipras zurcktrte?
Mich schockiert in diesen Tagen nichts. Unsere Eurozone ist ein sehr unwirtlicher Ort fr anstndige Leute. Es wrde mich auch nicht schockieren, wenn er bleibt und ein sehr schlechtes Abkommen akzeptiert. Denn ich kann verstehen, dass er eine Verpflichtung gegenber den Menschen fhlt, die ihn dabei untersttzen, uns untersttzen, dieses Land nicht zu einem gescheiterten Staat werden zu lassen.

Aber ich werde nicht meine eigene Sicht verraten, die ich damals, 2010, entwickelte, nmlich dass dieses Land aufhren muss, neue Kredite aufzunehmen und so zu tun, als ob wir das Problem gelst htten, wenn es nicht stimmt. Wenn wir unsere Schulden noch weniger nachhaltig gestalten, sogar unter Konditionen von noch mehr Austeritt, wird das unsere Wirtschaft noch weiter schrumpfen lassen und die Last denen aufbrden, die nichts besitzen und dadurch eine humanitre Krise verursachen. Das ist etwas, das ich nicht akzeptieren werde. Ich werde da nicht mitmachen.

Letzte Frage: Werden Sie weiter in Kontakt mit irgendjemand bleiben, mit dem Sie verhandeln mussten?
hm, ich bin mir nicht sicher. Ich werde jetzt keine Namen nennen, um keine Karrieren zu zerstren.




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